Fahrraddemo im Wechselbad

Rund 200 RadlerInnen versammelten sich am Freitag Nachmittag auf der Kottbusser Brücke, um im Rahmen der Aktionswochen gegen Gentrification und der Kampagne „Steigende Mieten stoppen!“ gegen die Bedrohung von alternativen Freiräumen, steigende Mieten, Gentrification und „Media Spree“ zu demonstrieren. Es wurden noch allerlei Schilder und Fahnen an die Fahrräder gebastelt und die Veröffentlichung der neuen „Wir bleiben Alle“-Broschüre bejubelt, bevor es los ging.

Nach der Ehrenrunde am Kottbusser Tor fing es leider nicht einfach zu regnen an – Sturm und Wolkenbruch brachte die Demo ein paar Minuten ziemlich durcheinander, und danach waren irgendwie die Pappschilder verschwunden… die berittene Drahteselpolizei übrigens auch, die hatte man ganz eilig auf einen Laster bzw. in einen Mannschaftswagen geschafft, wo sie bis zum Schluss der Demo verblieben.

Bei der Kundgebung am Wagenplatz Schwarzer Kanal kam dann glücklicherweise die Sonne wieder heraus und begann die verbliebenen 150 RadlerInnen nach und nach zu trocknen. Nebenbei erzählte eine Bewohnerin des Wagenplatzes, dass sie dort zum Jahresende vertrieben werden sollen. Der Grundeigentümer HochTief will zur Köpenicker Straße hin seine neue Zentrale bauen lassen, und meint die Fläche des Wagenplatzes für die Baulogistik missbrauchen zu müssen. Aber das soll nicht so einfach akzeptiert werden, oder? Für den 18. Juni lädt der Schwarze Kanal jedenfalls erstmal zum Queer Varieté – immerhin darf der 20. Geburtstag des Wagenplatzes gefeiert werden!

Über die Schilling-, Oberbaum und Warschauer Brücke ging es dann weiter zum RAW, der ebenfalls durch seine offiziellen Eigentümer bedroht wird. Deshalb gibt es jeden Donnerstag um 18:30 Uhr „Neues vom Garagendach“ am Tor 2 in der Revaler Straße, wo die RAW-AktivistInnen wöchentlich „Das Friedrichshainer Fenster für Offkultur und Stadtentwicklung“ anbieten wollen.

Um noch ein paar mehr Brücken mitzunehmen, führte die Route weiter über die Modersohn-Brücke zum Osthafen, vorbei an der noch intakten „Fernsehwerft“ zur Elsenbrücke und hinein nach Treptow, zur Karl-Kunger-Straße.

Dort, an der Baustelle zweier Vorhaben mit Eigentumswohnungen, gleich neben dem Wagenplatz Lohmühle, informierte die „Initiative Karla Pappel gegen Mieterhöhungen in Alt-Treptow“ über die Entwicklungen in ihrem Kiez. Sie ärgern sich nämlich nicht nur über die aufwertenden Neubauten entlang der Lohmühlenstraße, sondern auch über die Bedrohung des Kinderzirkus Cabuwazi und des Wagenplatzes durch weitere Bauvorhaben. Und natürlich über die allgemein steigenden Mieten im Kiez, gegen die sie die MieterInnen zu organisieren versuchen.

Die Demo sollte eigentlich über die Lohmühlenbrücke, am Landwehrkanal und durch die Reichenberger Straße weiter zum Luxus-Bauprojekt „Carlofts“ und dann zum Spreewaldplatz führen. Die Polizei hatte sogar die Route entlang der Carlofts verboten – vermutlich aus Angst, 150 klingelnde RadlerInnen könnten die noch verbliebenen BewohnerInnen des Klotzes mitsamt ihrer schicken Autos verschrecken.

Doch es kam anders: Noch im Kunger-Kiez machte die Nachricht von einer Hausbesetzung am Michaelkirchplatz die Runde, und innerhalb kürzester Zeit standen die Demo-OrganisatorInnen von den Spreepirat_innen alleine da. Die Demo wurde dann mangels TeilnehmerInnen für beendet erklärt.